Die Stauferzeit

Kalt und finster - so wird diese Zeit oft dargestellt. Doch das Hochmittelalter war das entschiedene Gegenteil: das Wetter stabiler als heute, die Bevölkerung wuchs, neue Städte entstanden in ganz Mitteleuropa, Kultur und Wissenschaft blühten auf, eine "staufische Renaissance".

Einige wenige Fakten sollen hier vorgestellt werden, auch gerade mit ihrem unmittelbaren Bezug zum mittelalterlichen Gelnhausen.

 

Friedrich I. Barbarossa

Seit 1152 König und 1155 Kaiser ist er der durch Sagen und Legenden heute der wohl bekannteste Exponent des staufischen Herrschergeschlechts. Der überraschende Tod auf dem 3. Kreuzzug 1190 und seine glanzvolle Hofhaltung (Mainzer Hoffest 1184) haben ihn zum schlafenden Kaiser Rotbart gemacht, mit dem die mittelalterliche Herrlichkeit schlummert. Gelnhausen hat seine eigene Legende von der fürstlichen Liebe zu Gela und der Gründung der Stadt. Seine wahre Liebe und Ehefrau Beatrix jedoch ist mit ihm noch heute auf dem Siegel von Gelnhausen wie auch auf den Gelnhäuser Brakteaten zu finden. Die Stadtgründung 1170 und der große Hoftag von 1180, auf dem der Konflikt mit den Fürsten und gerade mit Heinrich dem Löwen einen Höhepunkt erreichte sind nur einige Gründe für sein Fortleben in der "Barbarossastadt".

 

Heinrich VI.

Urkundlich verbürgt ist die Liebe seines Sohnes Heinrich VI. zu seinem Lieblingsoret im Reich - Gelnhausen eben. Kaum eine andere Stadt wurde so oft von ihm besucht. 1193 verkündete er in der Pfalz die Freilassung von Richard Löwenherz, der in deutscher Gefangenschaft saß. Das enorme Lösegeld wurde zum Ausrüsten eines Heeres genutzt und der Erbanspruch auf das Königreich Sizilien militärisch durchgesetzt. Der wohl mächtigste Herrscher des Mittelalters starb unerwartet mit nur 31 Jahren. Dieses Ereignis leitete eine Zeit der Wirren ein.

 

Philipp von Schwaben

Heinrichs Bruder Philipp kämpfte mit dem Wlfen Otto um die Herrschaft im Reich und musste sich immer wieder seiner Gefolgschaft versichern. Gelnhausen scheint dem Staufer dabei eine wichtige Stütze gewesen sein, denn Philipp, der "süße man" kam oft nach Gelnhausen. Hier feierte er 1207 ein glänzendes Hoffest mit der Vermählung einer seiner Töchter. Die Pfalz stand dabei im Zentrum mittelalterlicher Kultur, galt seine Frau Irene-Maria doch als schönste Frau des Mittelalters und in Philipps Hofstaat waren zumindest teilweise solche Künstler wie Walther von der Vogelweide anzutreffen.

 

Friedrich II.

Nach der Ermordung seines Onkels Philipp ruhten die Hoffnungen der staufischen Partei auf dem noch jungen Friedrich II. Und er sollte diese Hoffnungen nicht enttäuschen! Als "stupor mundi", das Staunen der Welt galt er bald manchen, einige Historiker bezeichneten ihn gar überschwenglich als "ersten modernen Menschen". Kein Wunder also, dass zunächst dieser Friedrich Einzug in Sage und Legende, in Ätna und Kyffhäuser hielt und erst nach mehreren Jahrhunderten durch seinen Großvater Barbarossa verdrängt wurde. Seine teils muslimische Leibgarde, sein exotischer Zoo, den er mit sich führte und sein zur Schau gestellter märchenhafter Reichtum dürften auch die Menschen in Gelnhausen bei seinen zahlreichen Aufenthalten in ihren Bann gezogen haben - 1214-1219 kam er jährlich hierher. Ritter aus der Umgebung begleiteten den vom Papst gebannten Kaiser auf den 5. Kreuzzug 1228/29 ins Heilige Land. Aufgrund seines Verhandlungs-geschickes mit seinem Brieffreund Sultan al-Kamil von Ägypten konnte er friedlich in die Heilige Stadt einziehen und sich dort zum König von Jerusalem krönen.In Deutschland herrschte für den Vater sein junger Sohn Heinrich.

 

Heinrich (VII.)

Achtmal ist der unglückliche Kaisersohn in Gelnhausen nachweisbar. Im Bündnis mit Städten und den Reichsministerialen wollte er die Macht der Fürsten eindämmen und ein starkes deutsches Königtum schaffen - was ihn schließlich in Konflikte mit seinem Vater stürzte und ihn 1242 in den Freitod trieb. Einmal mehr ein ergreifendes Kapitel im an Tragik und Legendärem so reichen staufischen Buch der Geschichte.

 

Das Jahr 1230

Für Gelnhausen war es ein sicher glückliches Jahr. Einmal mehr besuchte der damals noch gesicherte Heinrich (VII) Pfalz und Stadt. Die Kaiserpfalz stand in voller Blüte und auch in der Stadt geschah großes. Heinrich Vingerhut arbeitete ab etwa 1225 am prächtigen Ausbau der Marienkirche, der Stadt schien eine große Zukunft bevorzustehen. Schon 1241 sollte sie dann auch auf dem zweiten Platz in der Reichssteuerliste zu finden sein - ein Beleg für den Reichtum der damals noch jungen Stadt.

Darüberhinaus muss es eine bewegende Zeit gewesen sein. Minnesang und höfische Epik erreichten einen letzten Höhepunkt, die Gotik kam in Deutschland zum Durchbruch und aus dem Vorderen Orient flossen neue Gedanken und Ideen nach Europa. Die Welt der Kirche war durch Franziskus von Assisi in Aufruhr und um 1230 erreichten die ersten Franziskaner auch Gelnhausen, wahrscheinlich siedelten sich zu dieser Zeit auch die ersten Juden in der Stadt an. Für die Menschen in Gelnhausen muss dies eine hoffnungsfrohe und aufregende Zeit gewesen sein - ein Grund, weshalb wir uns genau dieses Jahr für unsere Darstellung ausgesucht haben!

Friedrich I. Barbarossa, der Gründer von Stadt und Pfalz Gelnhausen, mit seinen Söhnen Friedrich und Heinrich VI., der später aussagen wird, Gelnhausen sei ihm von allen Orten im Reich der liebste.

Das Heilige Römische Reich mit den Königreichen Burgund, Deutschland und Italien sowie dem in Personalunion verbundenen Königreich Sizilien. Angesichts dieser Ausdehung ist es nachvollziehbar, dass die Kaiser ohne feste Hauptstadt auf das Reisen und somit auch Pfalzen angewiesen waren.

Walther von der Vogelweide in einer spätmittelalterlichen Darstellung. Er ist herausragender Vertreter jener höfischen Kultur der Stauferzeit und wenn auch nicht in Gelnhausen nachweisbar, so ist zumindest die Anwesenheit berühmter Epiker oder Lyriker am kaiserlichen Hof in der Kaiserpfalz zeitweilig zu vermuten.

Kaiser Friedrich II. und Sultan al-Kamil von Ägypten. Protagonisten des friedlich verlaufenen 5. Kreuzzuges und zugleich Symbole des kulturellen Austausches im Hochmittelalter.


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